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Wolfgang Wienand, Chief Executive Officer

Wie ordnen Sie das Geschäftsjahr 2019 ein?

Das ist eine Frage, die für mich rationale wie auch emotionale Elemente umfasst. Wenn ich bei Letzteren bleibe, spielt sicherlich eine Rolle, dass es mein erstes Jahr als CEO war. Ich habe bei meiner Tour zum Jahresauftakt 2019 an allen Standorten meine CEO-Agenda erläutert und hatte im direkten Kontakt mit vielen Mitarbeitenden aller Bereiche und Ebenen viele aufschlussreiche und erhellende Gespräche geführt. Egal ob sich die Betreffenden zufrieden oder auch mal kritisch äusserten, der Grundtenor war immer getragen von einem zupackenden Optimismus, von Zugehörigkeit und Verbundenheit: «Das ist meine Firma.» Ich habe gespürt, dass unsere Belegschaft bereit ist für ein nächstes erfolgreiches Kapitel in der langen Firmengeschichte. 

Rational, also beim Blick auf harte Fakten, sehen wir, dass wir in unserem ersten gemeinsamen Jahr einiges erreicht haben. Wir haben durch Investitionen unsere technologischen Fähigkeiten verbessert, weitere Verbindungen zwischen den Standorten geknüpft und unser Netzwerk so weiter gestärkt. Wir haben unsere Aus- und Weiterbildungsaktivitäten ausgebaut und in der neu initiierten «Siegfried Academy» gebündelt, weil am Ende das Können und die Kompetenzen unserer Teams entscheidend sind für die Qualität und den Erfolg unserer Arbeit. Zudem gab es zahlreiche punktuelle Anstrengungen und Erfolge auf allen unserer neun Standorte, die in Summe dazu geführt haben, dass wir 2019 deutlich und zugleich profitabel gewachsen sind. 

Um bei den emotionalen Aspekten anzuknüpfen: Wie hat sich diese Bereitschaft für ein nächstes Kapitel konkret geäussert?

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Siegfried Gruppe zwar bald 150 Jahre alt wird, in dieser Konstellation aber erst seit gut vier Jahren zusammengehört und zusammenarbeitet. Die Phase des ersten Zusammenraufens haben wir zwar längst hinter uns, nichtsdestotrotz erfordert kontinuierliches Wachstum, wie wir es 2019 gezeigt haben und auch in der Zukunft anstreben, kontinuierliche Veränderung und Transformation. Um eine solche Phase des Vorwärtsgehens bewältigen zu können, benötigt ein Unternehmen klare Fixpunkte, die Sicherheit geben und zugleich auch die Richtung weisen, in die es vorwärts gehen soll. Bei Siegfried sind dies unsere fünf anspruchsvollen und fordernden Schlüsselwerte Exzellenz, Leidenschaft, Integrität, Qualität und Nachhaltigkeit, die ich gemeinsam mit meinem Management Team bestimmt und auf die ich meine CEO-Agenda abgestützt habe. Die breite Zustimmung und die positiven Rückmeldungen von vielen Kolleginnen und Kollegen an den verschiedenen Standorten haben mich gefreut und mich in meinem Optimismus bestärkt, dass in diesem Unternehmen nicht nur grosses Potenzial steckt, sondern wir auch über die nötige Mentalität verfügen, dieses Schritt für Schritt in greifbare Erfolge zu übersetzen. Und im Jahr 2019 ist uns ein solcher Schritt gelungen.

Sie haben in Ihren Botschaften an die Belegschaft und auch bei Medienkontakten nicht nur häufig vom «stärksten Team», sondern auch vom «wettbewerbsfähigsten Netzwerk» als zentrale Bestandteile Ihrer Vision für Siegfried gesprochen. Weshalb ist das für Sie so wichtig?

Ja, das stimmt. Während der Teamgedanke natürlich von Sportlichkeit und Dynamik – wir im Wettbewerb mit den anderen führenden CDMOs – getragen ist, fördert er auch das emotionale Wohlbefinden und Zusammengehörigkeitsgefühl im «Team Siegfried». Ich will, dass wir gut, vertrauensvoll und mit Freude zusammenarbeiten, uns gegenseitig besser machen, zu unserem eigenen Nutzen und zum Nutzen unserer Kunden. 

Für den Netzwerkgedanken muss ich etwas ausholen. Jeder Wirkstoff, den wir herstellen, hat seinen eigenen Herstellungsprozess. Kaum einer gleicht dem anderen. Es gibt solche, die viel Kapazität belegen, andere weniger, einige Wirkstoffe benötigen spezielle Technologien und Kenntnisse, die nicht an allen Standorten im gleichen Masse vorhanden sind. So kommt es immer wieder auch zu Engpässen, die für einen Standort allein nicht oder nur durch hohen Aufwand auflösbar sind. In einem Netzwerk von sich technologisch und kapazitiv ergänzenden – und miteinander kooperierenden – Standorten und Teams lassen sich häufig mit geringerem Aufwand die besseren Lösungen finden. Wenn wir die verschiedenen Stufen eines Prozesses am jeweils geeignetsten Standort herstellen, ist das Ergebnis hinsichtlich Machbarkeit und Kosten immer überlegen, und zugleich lasten wir unsere Anlagen gleichmässiger aus und vermeiden Ineffizienzen, die durch Engpässe oder weniger geeignete Set-ups verursacht werden. Wir überlegen uns nicht nur für neue Produkte, wo diese am besten hergestellt werden können, sondern suchen auch für bestehende und manchmal seit Jahren an einem Standort hergestellten Produkte nach besseren Lösungen im Netzwerk und transferieren sie, wenn der Nutzen ausreichend gross ist. Der initiale Aufwand für solche Tech-Transfers ist erheblich, aber unseren standortübergreifenden Teams gelingen diese immer besser. 2019 haben wir mehr Produkte innerhalb unseres Netzwerks transferiert als jemals zuvor. Dies hilft uns, Ka-
pazitäten freizuspielen, die wir für mehr Geschäft oder Neugeschäft nutzen können. Anders wäre ein organisches Wachstum, wie wir es zuletzt gezeigt haben, gar nicht möglich.

Wie weit gilt dies auch für den pharmazeutischen Teil des Siegfried-Geschäfts, den Bereich Drug Products?

Der Austausch zwischen unseren drei Drug Product-Standorten spielt aktuell noch eine untergeordnete Rolle. Diese Standorte versetzen uns vielmehr in die Lage, unseren Kunden die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb der pharmazeutischen Fertigung abzudecken. Das heißt: Chemie und Pharma, vom einfachen chemischen Rohstoff über komplexere Zwischenstufen und den pharmazeutisch aktiven Wirkstoff bis hin zur fertigen Darreichungsform, fertig verpackt inklusive Packungsbeilage. Dieses Angebot wird geschätzt, auch wenn der Markt noch nicht überall so weit ist, um alles aus einer Hand zu beziehen, und der Teil unseres Geschäfts, in dem wir tatsächlich für ein einzelnes Produkt die gesamte Wertschöpfung leisten, noch überschaubar ist. Die Vorteile einer solchen Bündelung der Fertigung in einer Hand sind jedoch real Ich bin deshalb überzeugt, dass dieses Geschäftsmodell in Zukunft an Bedeutung gewinnen und uns Wettbewerbsvorteile bringen wird. Siegfried ist jetzt schon bereit. 

Sie haben neben der Stärkung des Netzwerks auch erheblich investiert?

Ja, durchaus. Wir investieren nicht nur routinemässig in den Unterhalt und Ersatz bestehender Anlagen, sondern im Rahmen unserer Strategie «Evolve» auch gezielt in unsere technologischen Kompetenzen. Ich denke da an den Bau einer Mikronisierungsanlage für chemische Wirkstoffe an unserem Standort in Evionnaz oder an die neuen R&D-Labors in Hameln, die es uns erlauben, neben der Formulierungsentwicklung für kleine Moleküle künftig auch Dienstleistungen für biologisch hergestellte Wirkstoffe anzubieten. Zusätzlich bauen wir zurzeit in unserem neuen Wirkstoffbetrieb in Zofingen – dem Bau 425 – eine weitere Mehrzweckanlage mit einer seltenen Hydriertechnologie ein, die unser technologisches Angebot ergänzen und weiter differenzieren wird. 

Sie haben es erwähnt: Siegfried ist zuletzt stetig gewachsen, im letzten Jahr sogar am oberen Ende des allgemeinen Marktwachstums. Eine Akquisition hat aber nicht stattgefunden. Weshalb?

Ich habe zu Beginn meiner Zeit als CEO gesagt: Grundlage für nachhaltigen Erfolg wird unsere Fähigkeit sein, das bestehende Geschäft effizient und erfolgreich zu führen und stabiles organisches Wachstum abzuliefern. Obwohl dies allein schon eine herausfordernde Aufgabe ist, habe ich zugleich klargemacht, dass uns dies nicht genügt. Denn für Siegfried gibt es auch jenseits des Tagesgeschäfts grosse Chancen – durch Übernahmen anderer Firmen, Standorte, Geschäfte, Technologien. Diese Ambition, auch durch M&A-Aktivitäten wachsen zu wollen, gründet auf dem Wissen, dass in unserem Geschäft Unternehmensgrösse eine wichtige Quelle von Wettbewerbsvorteilen sein kann. Ja, wir können es uns leisten, Geld in die Hand zu nehmen. Aber unsere Aktionäre können sich darauf verlassen, dass wir Akquisitionen mit kühlem Kopf angehen. Ungeduld ist auf einem solchen Spielfeld ein schlechter Ratgeber. Wir haben immer längerfristige Ziele und nachhaltigen Erfolg im Blick – und ein Übernahmeobjekt muss eben auch zu uns passen. Das ist uns bei allen Akquisitionen seit 2012 – die ich ja als Leiter «Strategie und M&A» selbst verantwortet habe – auch gelungen. Alle haben sich als Teil von Siegfried sehr positiv entwickelt und sind heute selbstverständliche Eckpfeiler unserer Erfolgsgeschichte. Es gilt also nach wie vor: Wir halten die Augen offen, sind proaktiv  und werden nicht zögern, eine Firma oder ein Geschäft zu übernehmen, die uns und unser Netzwerk weiterbringen und durch die wir für unsere Aktionäre Wert schaffen können. 

Was sind Ihre Ziele für das laufende Jahr 2020?

2019 haben wir alle hart gearbeitet und ein gutes Ergebnis abgeliefert. Und dennoch schaue ich nicht in erster Linie auf das in der Vergangenheit Erreichte, sondern auf das, was wir darüber hinaus in der Zukunft noch erreichen wollen. Für mich ist klar, dass wir uns bei Siegfried noch auf dem Weg befinden, unser volles Potenzial auszuschöpfen. Wir sind uns unserer Stärken bewusst und der Möglichkeiten, diese wertschaffend einzusetzen. Aber wir haben auch noch einige Ideen, wo wir uns noch verbessern können und müssen – und auch, wie wir das tun werden. Wir bei Siegfried sind fest entschlossen, auch in Zukunft erfolgreich zu sein. 

Was liegt Ihnen – neben dem finanziellen Erfolg des Unternehmens – als CEO von Siegfried besonders am Herzen?

Sowohl in meinem früheren Leben als Sportler wie auch dann in Wissenschaft und Beruf, haben mich Spitzenleistungen immer begeistert. Das also, was den Unterschied ausmacht zwischen Erwartbarem und Herausragendem. Und das ist es auch, was ich als den eigentlichen Kern meiner Aufgabe als CEO erachte: Gemeinsam mit anderen qualifizierten und motivierten Menschen Spitzenleistung zu organisieren und zu erbringen – und so Schritt für Schritt das grosse Potenzial von Siegfried auszuschöpfen. Diese Erfahrung wünsche ich uns allen. Und dafür ist jeder von uns gefordert, denn jeder einzelne kann mit seinem persönlichen Beitrag die ganze Siegfried Gruppe besser machen! 

Siegfried hat 2019 erneut ein organisches Wachstum gezeigt und gleichzeitig die Profitabilität gesteigert. Was ist aus Ihrer Sicht wichtiger?

Beides ist wichtig. Profitables Wachstum generiert die finanziellen Mittel, die wir wieder in eine Beschleunigung des Wachstums investieren können. Müssten wir uns zwischen Wachstum und Margenexpansion entscheiden, würden wir Wachstum wählen, da sich in unserem Umfeld Wachstum und Grösse mittelfristig immer auch zu einer Erhöhung der Profitabilität führt.

Die Siegfried Gruppe hat im letzten Jahr rund 60 Mio. Schweizer Franken investiert. Nach welchen Grundsätzen werden die Mittel eingesetzt?

Bei einem wesentlichen Teil dieser Investitionen handelt es sich um Ersatzinvestitionen. Hier investieren wir, um die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur zu erhalten und zu verbessern. Darüber hinaus investieren wir Mittel in interne Wachstumsinitiativen und in neue Technologien und Fertigkeiten. Und dann erhöhen wir durch Erweiterungsinvestitionen die Kapazität im Netzwerk punktuell. 

Bei allen Investitionen steht die Kapitaleffizienz, also der Return on Capital, im Vordergrund. Jeder Schweizer Franken muss im Netzwerk der höchsten Rendite zugeführt werden. Damit stehen einzelne Investitionsprojekte im Wettbewerb zueinander.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wie ging und geht ein Traditionsunternehmen wie Siegfried mit dieser Thematik um?

Als produzierendes Unternehmen und als strategischer Partner der Pharma-Industrie ist Nachhaltigkeit für uns seit Jahrzehnten gelebte Praxis. Das Denken in Stoffkreisläufen, die Erhöhung der Effizienz chemischer Prozesse und die Vermeidung oder Reduktion von Abfällen ist seit vielen Jahren Teil unserer täglichen Arbeit und macht aus kommerzieller Perspektive für uns und unsere Kunden Sinn.

Wir haben vor wenigen Jahren damit begonnen, die Daten zu Nachhaltigkeit systematisch zu sammeln und unter Verwendung der GRI-Richtlinien systematisch im Nachhaltigkeitsbericht zu rapportieren. In diesem Jahr sind wir einen Schritt weitergegangen und haben uns den Sustainable Development Goals (SDG) der United Nations zugewandt und die für uns relevanten Ziele ausgewählt.

Die Reise ist damit jedoch noch nicht zu Ende. Wir haben uns vorgenommen, uns laufend zu verbessern und insbesondere auch die Berichterstattung an interessierte Kreise laufend an neueste Erkenntnisse anzupassen.

Wie entwickeln sich der Outsourcing-Markt und die CDMO-Branche und wie reagiert Siegfried auf die neuen Herausforderungen?

Die CDMO-Industrie ist in Bewegung. Die Nachfrage nach Outsourcing ist ungebrochen, das Anbieterumfeld stark fragmentiert und dadurch attraktiv für M&A-Aktivitäten. Weil die Pharma-Firmen weltweit einen grossen Kostendruck spüren, ist die Reduktion von Kosten und operationellen Risiken ein wesentlicher Treiber für das Outsourcing. CDMOs spielen deshalb eine wichtige Rolle, indem sie die notwendigen Kapazitäten bereitstellen, um das Risiko von Versorgungsengpässen zu minimieren. 

Auslagerungen erfolgen heute über die gesamte Wertschöpfungskette. Die noch junge CDMO-Industrie ist gefordert, die wechselnden Anforderungen der Pharma-Industrie zu erfüllen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Mit unserem Entwicklungs-Knowhow, das sich in der Schweiz, in China und in Deutschland befindet, bieten wir Prozessentwicklungen und die Optimierung bereits entwickelter Prozesse entlang der ganzen Wertschöpfungskette an. Dazu kommen verschiedene Spezialtechnologien im chemischen Segment wie Sprühtrocknung, Mikronisierung, Hydrierung (bis zu 40 bar), Tieftemperatur-Reaktionen und die Herstellung von hochwirksamen Wirkstoffen sowie Karpulen, Fertigspritzen, Augentropfen und die Abfüllung von biologischen Wirkstoffen im Bereich der Fertigformulierungen. 

Wie ist die Business Development-Organisation aufgestellt, um dem Kunden optimale Dienstleistungen bieten zu können?

Wir sind nahe beim Kunden und können ihm dank unseres Netzwerks von Standorten die gewünschte Liefersicherheit anbieten, indem wir lange Synthesen auf zwei Produktionsstandorte aufteilen, respektive ganze Synthesen an mehreren Standorten herstellen. Das kann in den USA, China oder Europa erfolgen. Dabei beherrschen wir sowohl die chemische Herstellung als auch die Formulierung bis zum fertig verpackten Medikament. 

Wir verfügen über Teams mit fundiertem Wissen im chemisch-pharmazeutischen Bereich und solchen mit Formulierungs-Knowhow. Die technischen Experten und die Business Development-Teams arbeiten Hand in Hand und werden oft als Zwillinge bezeichnet. Abteilungs- und produktsegmentübergreifendes Arbeiten ist für uns selbstverständlich. Damit können wir unsere strategischen Partnerschaften erfolgreich gestalten. Zudem legen wir grossen Wert auf den persönlichen Kontakt mit unseren Kunden. Wie bei einem chemischen Prozess muss die Chemie zwischen den Beteiligten über das Projektgespräch hinaus stimmen. 

Einer der Grundwerte Siegfrieds ist «Leidenschaft». Was bedeutet er konkret für Sie und für die Mitarbeitenden in Ihrem Verantwortungsbereich?

Leidenschaft hat mit Herzblut und Hingabe zu tun und ist die Voraussetzung dafür, einen exzellenten Job zu machen und erfolgreich zu sein. Die Leidenschaft für das, was wir tun, muss in all unserem Handeln spürbar sein. Sei dies gegenüber dem Kunden, gegenüber den Mitarbeitenden und Kollegen oder im Hinblick auf unsere Patienten und die ganze Gesellschaft. Leidenschaft ist, was uns tagtäglich antreibt, motiviert, unserem Tun Sinnhaftigkeit verleiht und uns unbeirrt unseren Zielen entgegenstreben lässt. Es ist wichtig, deine Leidenschaften für dein Business immer wieder neu zu entfachen, damit du brennst und weithin sichtbar für deine Kunden, Mitarbeiter, Kollegen strahlst. Es ist auch eine Managementaufgabe schlechthin, andere anzuspornen, das Beste aus sich und dem Team herauszuholen. Das gibt nicht nur tiefe Befriedigung und macht Spass – es spornt auch selber an. Wenn wir bei Siegfried diese Leidenschaft und Hingabe dem Job gegenüber empfinden, werden wir es auch schaffen, das stärkste Team mit dem wettbewerbsfähigsten Netzwerk zu werden.

Sie wollen die verfügbare Kapazität der Siegfried Gruppe erhöhen, indem Sie die Leitungsfähigkeit des weltweiten Netzwerks Ihrer Produktionsstandorte steigern. Wie gehen Sie dabei vor?

Unser Produktionsnetzwerk muss sich ähnlich wie ein lebender Organismus verhalten; es muss ständig in Bewegung bleiben und sich an die Kundenbedürfnisse anpassen. Gleichzeitig müssen wir grossen Wert auf Arbeitssicherheit, auf Qualität und auch auf Effizienz legen. Wichtig ist eine umfassende Betrachtung des gesamten Produktionsnetzwerks. Basierend auf den strategischen Anforderungen an das Netzwerk gestalten wir die Entwicklung der einzelnen Standorte so, dass wir das Beste für das Gesamte erreichen. So erarbeiten wir für jeden Standort einen Plan, wie die technologischen Fähigkeiten und Kapazitäten weiterentwickelt werden. Unsere Führungsteams an den einzelnen Standorten haben alle grosse Ambitionen, ihren Standort weiterzuentwickeln. Dies ist die richtige Grundhaltung und Voraussetzung, dass wir die beste Lösung für das Gesamtnetzwerk erzielen. Wichtig ist, dass wir hier sehr diszipliniert vorgehen und die richtigen Prioritäten setzen.

Siegfried arbeitet in einem stark regulierten Umfeld. Die Kunden erwarten aber Flexibilität, und die bessere Auslastung des Netzwerks verlangt nach einer gewissen Wendigkeit. Wie meistern Sie diesen Spagat?

Das ist in der Tat anspruchsvoll. Insbesondere wenn wir Herstellprozesse für Produkte zwischen den Standorten verlagern, sind strenge Behördenregularien und Kundenvorgaben einzuhalten. Jeder einzelne Transfer wird minutiös geplant und im Detail mit den Kunden abgesprochen. Ohne Zustimmung durch die jeweiligen Kunden findet kein Prozesstransfer statt. Was wir bei einer solchen Prozessverlagerung tun ist nichts anderes, als Wissen zwischen Fachexperten von verschiedenen Standorten übertragen. Da ist eine sehr gute Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen schlicht unentbehrlich. Es kann auch mal eine Situation auftreten, in der die Mitarbeitenden eines Standortes nicht glücklich sind, ein Produkt abzutreten. Daher ist es wichtig, dass wir jeweils verständlich kommunizieren, warum wir einen solchen Schritt gehen. Durch die kontinuierliche Optimierung des Produktionsnetzwerks steigern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und bieten den Kunden Flexibilität und grössere Liefersicherheit für ihre Produkte. Im Berichtsjahr haben unsere Mitarbeitenden die Leistungsfähigkeit unseres Produktionsnetzwerks weiter verbessert. Darauf bin ich stolz.

«Exzellenz» ist einer der zentralen Werte von Siegfried. Was verstehen Sie in Ihrem Verantwortungsbereich darunter?

Exzellenz bedeutet für mich: ständiges Streben nach ‹besser werden› und nie zufrieden sein mit mittelmässiger Leistung. Dies gilt für jeden einzelnen Mitarbeitenden, unsere Teams und auch für Siegfried als Ganzes. Ständiges Streben nach besserer Leistung ist nämlich der beste Weg zur persönlichen Weiterentwicklung eines jeden Mitarbeitenden, im Berufs- wie auch im Privatleben. Ich bin fest überzeugt, dass eine bessere Leistung am Schluss auch zu mehr persönlicher Zufriedenheit führt.

Arnoud Middel, das Geschäftsjahr 2019 hatte es für den Personalverantwortlichen der Siegfried Gruppe in sich. Ein Führungswechsel, Fachkräftemangel, der Aufbau eines breiten Weiterbildungs-Angebots und die hohen Erwartungen bezüglich Flexibilität im Netzwerk. Was ist Ihnen rückblickend besonders geblieben?

Der Mensch war und ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg einer jeden Firma. Das Jahr 2019 hat den markanten Trend und die Erkenntnis der letzten Jahre bestätigt, dass in einem sehr kompetitiven Arbeitsmarkt dem Gewinnen, Entwickeln und Halten guter Mitarbeiter/-innen eine unverändert hohe Bedeutung beizumessen ist. Unsere Schwerpunkte setzten wir daher auch auf die Entwicklung der Unternehmenskultur sowie der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter/-innen auf allen Stufen. Es ist unser Ziel, allen Mitarbeitenden einen Arbeitsplatz anzubieten, an dem sie sich wohl fühlen, Perspektiven zur Weiterentwicklung haben und in der Konsequenz eine hervorragende Leistung erbringen können. 

Im Kampf um die besten Talente hat Siegfried stark auf interne Weiterbildung gesetzt. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Kriterien und wie ist das Programm, das Sie anbieten, intern angenommen worden?

Mit der Siegfried Academy haben wir im abgelaufenen Jahr eine Grundlage geschaffen, die wir in den kommenden Monaten und Jahren weiter ausbauen werden. Die ersten Aktivitäten wurden positiv aufgenommen, und wir wollen dieses Programm konsequent vorantreiben. Unser klares Ziel ist, dass wir den Mitarbeiter/-innen ein bedarfsgerechtes Aus- und Weiterbildungsangebot bieten, das ihnen ermöglicht, innerhalb von Siegfried eine spannende berufliche Laufbahn zu durchlaufen und sich ständig weiterzuentwickeln. 

Sie haben bei der Definition der Siegfried-Werte, die im Geschäftsjahr 2019 an allen Standorten vorgestellt wurden, eine entscheidende Rolle gespielt. Solche Werte findet man ja bei vielen anderen Firmen auch. Gibt es einen Wert oder eine Kombination einzelner Werte, die aus Ihrer Sicht für Siegfried besonders wichtig ist?

Für mich bringt die Kombination der Werte Exzellenz, Leidenschaft, Integrität, Qualität und Nachhaltigkeit kompakt zum Ausdruck, was unsere Ambition ist, wer und wie wir sein wollen und wie wir wahrgenommen werden möchten. Da für das Vertrauen und die Kultur von Siegfried zentral, liegt mir der Wert Integrität jedoch besonders am Herzen. Dieses eine Wort verdeutlicht, was uns in der Zusammenarbeit und der Kommunikation untereinander, mit Kunden sowie mit Behörden wichtig ist.

Was trägt der Bereich F&E zum Erfolg von Siegfried bei und inwiefern spielt der Netzwerkgedanke eine Rolle?

Die Forschung und Entwicklung bei Siegfried hat ein sehr breites Aufgabenspektrum. Sie deckt den gesamten Bereich vom Design neuer Syntheserouten, der Prozessentwicklung für neue Produkte über die Optimierung laufender Produktionsprozesse bis hin zu Troubleshooting ab. Dabei ist es unser Anspruch, auf hohem wissenschaftlichem und technologischem Standard effiziente Prozesse zu entwickeln und weiter zu optimieren. Das ist ein wichtiger Wertbeitrag, den unsere Kunden sehr schätzen, denn er stellt deren Wettbewerbsfähigkeit sicher und hilft uns, weiter zu wachsen.

Siegfried verfügt über ein weltweites Produktions-Netzwerk für pharmazeutische Wirkstoffe und fertig formulierte Medikamente. Zofingen und Evionnaz sind als sogenannte Launch-Standorte für Wirkstoffe besonders prädestiniert, neue Prozesse einzuführen und zu pilotieren. In Abstimmung mit unseren Kunden wählen wir dann je nach Bedürfnis des Produkts den geeigneten Produktionsstandort aus. Das weltweite Netzwerk ermöglicht es, Produkte an mehreren Standorten zu produzieren, was dem Kunden willkommene zusätzliche Liefersicherheit bietet. F&E ist flexibel aufgestellt, um dieses Konzept zu unterstützen. So kann die Entwicklung durchaus auch am jeweiligen Standort direkt durchgeführt werden. Das erfolgt sehr effizient mithilfe unseres globalen Projektmanagements. 

Siegfried muss bezüglich Innovation und technischer Fähigkeiten mit den Mitbewerbern und den Kunden mindestens auf Augenhöhe sein. Wie stellen Sie das sicher?

Der Schlüssel zum Erfolg sind hoch qualifizierte und engagierte Mitarbeitende. Wir legen viel Wert auf deren Auswahl und Weiterentwicklung. Dies beinhaltet auch den Austausch von Mitarbeitenden zwischen den Standorten. Damit festigen wir unser Netzwerk. Eine gute Ausstattung in Labor und Pilotanlage sowie die Verwendung von modernsten Technologien und Analysemethoden sind für mich weitere wichtige Elemente für den Erfolg. Hierfür haben wir mit Zofingen und Evionnaz zwei hervorragende Forschungs- und Entwicklungs-Zentren für Wirkstoffe und mit Hameln und Zofingen für fertige Medikamente. 

Unser Bereich «Regulatory Affairs» ist für die Behördeneinreichungen zuständig. Diesen Service benötigen wir für unsere eigenen Produkte, bieten ihn aber auch unseren Kunden an. Hier kommt es darauf an, die notwendigen Daten für die Behörden der jeweiligen Länder entsprechend aufzubereiten. Die qualitativ hochwertige Ausarbeitung und enge Abstimmung mit den Behörden ermöglichen eine schnelle Zulassung und damit allenfalls eine Verkürzung beim «time to market».

Qualität ist einer der Firmenwerte der Siegfried. Was trägt ihr Bereich dazu bei?

Qualität spielt für uns eine zentrale Rolle. Das beginnt bei der Forschung und der Prozessentwicklung. Wir wollen mit modernsten Methoden präzise Ergebnisse erzielen, die dann im nächsten Schritt zuverlässig aufgestuft werden können. Die Qualität der Arbeit im Labor ist massgebend für den Erfolg in der Pilotanlage und anschliessend in der kommerziellen Produktion. 

Ein ausgezeichnetes Projekt- und Programm-Management ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Erfahrene Fachleute steuern die Projekte und betreuen Produkte über die Standorte hinweg. Damit können die Fähigkeiten und technologischen Möglichkeiten des gesamten Firmennetzwerkes optimal genutzt werden. Ein absolutes Qualitätsdenken auf allen Stufen und an allen Standorten ist unabdingbar, um als führendes Zulieferunternehmen wie Siegfried im harten Wettbewerb zu bestehen.